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Was heißt hier Cöte d'Azur?
Ein Literat erfand den Namen
Vor gut 100 Jahren hatte der französische
Schriftsteller Stephen Liegeard bei der Suche nach einem geeigneten Titel
für sein Buch über die südfranzösische Mittelmeerküste eine Idee, die
ihn unsterblich machte. Er nannte das Buch La Cöte d'Azur und hat damit
einer Landschaft für immer ihren Namen gegeben.
Man sollte diesen Namen nicht übersetzen. Als «Blaue
Küste» verdeutscht wird ihm der Glanz genommen, denn es ist nicht die
Farbe allein, um die es geht, obwohl das Mittelmeer als das «blaueste»
europäische Meer erscheint. Henri Matisse, der zur Erholung nach Nizza
kam und sich am ersten Morgen nach seiner Ankunft kaum zu fassen wußte
vor Glück über das Januarlicht, das in sein Zimmer drang, Matisse, der
sich an der Cöte ansiedelte und ihre Farben nachzuschaffen verstand wie
kein anderer, der stellte gleichwohl fest: «Das ist ein Land, wo das
Licht die wichtigste Rolle spielt, erst danach kommen die Farben.
Im Namen der Cote d'Azur schwingt dieses Licht als
Glanz mit. Azur nannte man im Mittelalter den kostbaren blauen
Lapislazuli, Azur, das läßt an die Unendlichkeit eines durch nichts
getrübten blauen Himmels denken, einen Ort real gewordener Sehnsüchte
nach dem Unbekannten. «Oh Himmel, strahlender Azur/enormer Wind die Segel
bläht», reimte der junge Brecht, längst bevor er als Flüchtling an die
südfranzösische Mittelmeerküste verschlagen wurde. Liegeard fand für
einen Eindruck, ein Gefühl, eine Sehnsucht einen Begriff und brachte
Phantasie zum Schwingen. Eindrücke, Gefühle und Phantasien kennen keine
scharf umrisse-nen Grenzen, deshalb ist der Begriff Cote d'Azur auch
geographisch keineswegs scharf umrissen. Liegeard faßte unter dem Begriff
die gesamte Mittelmeerküste zwischen Genua und Marseiile zusammen.
Italien war kaum Staat geworden, die Grafschaft Nizza gehörte erst 18
Jahre zu Paris statt zum Haus Savoyen, das in Turin residierte. Da
bedeutete die Grenze zwischen Frankreich und Italien noch nicht viel. Für
uns heute aber hört die Cote d'Azur bei Menton auf, und die italienische
Riviera, die Riviera dei Fiori beginnt. Sie hat freilich landschaftlich
und kulturell mit ihrem französischen Gegenstück manches gemeinsam. Das
ehemalige Fischerdorf Menton begrenzt die Cote im Osten, das Meer bildet
die südliche Grenze, die Alpen sind die nördliche; die westliche und
nordwestliche hingegen ist durchaus nicht eindeutig und dies um so
weniger, als auch die benachbarte Provence durchaus keine territorial fest
umrissene Größe bezeichnet. Der Petit Robert, das kanonische
französische Wörterbuch, dekretiert knapp: «Cote d'Azur - zwischen
Toulon und Menton». Eine nicht minder angesehene französische
Institution, das Gremium der Kartographen von Michelin, läßt die Cote
schon hinter Cannes enden.
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Tahiti Plage Ramatuelle
Wem der Trubel in Saint Tropez zu viel ist, kann sich
ja zurückziehen in die Berge des Massifdes Maures, wie es die
Küstenbewohner immer schon bei Invasionen und Belagerungen getan haben.
Schon Ramatuelle, Gassin und Grimaud, unmittelbare Nachbarn von
Saint-Tropez, sind weniger überlaufen, La Croix-Valmer mit seinen
stattlichen Villen aus der Belle-Epoque verliert seine Gemächlichkeit nie
ganz, und in La Garde-Freinet oder in Collobriere spätestens übertönt
der Lärm der Motoren den Lärm der Grillen nicht mehr.
Auch auf der Küstenstraße in Richtung Hyeres geht es
bald hinter Saint-Tropez etwas ruhiger zu. Man kommt durch zahlreiche
Orte, die eifrig dabei sind, das, was an ihnen hübsch war, der
Gästestatistik zu opfern. Le Lavandou ist der größte von ihnen.
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Das idyllische Ramatuelle ist der Geheimtip für alle,
denen St. Tropez zu überlaufen ist. Drei geschichtliche Ereignisse haben
das Dorf geprägt: die Besetzung durch die Sarazenen 892, die Zerstörung
1592 aufgrund von Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und dem
Protestanten Henri IV. sowie der Zweite Weltkrieg. Der Hollywood-Erfahrene
J. P. Aumont wurde wegen seiner Englischkenntnisse von den am
Pampelonne-Strand landenden Amerikanern ersucht, den Kontakt zur
Resistance ramatuelhis herzustellen, und so sahen 1944 die Bewohner von
Cavalaire, La Croix-Valmer und Co-golin ihr Filmidol leibhaftig in einem
GI-Jeep.
Der Schauspieler Jean-Claude Brialy dagegen macht heute
als künstlerischer Leiter des seit 1984 alljährlich stattfindenden
Festival Gerard Philipe Furore. (Das Grab Philipes befindet sich auf dem
Friedhof von Ramatuelle; Nur einen Seufzer lang, das Buch seiner Frau
über die letzten gemeinsam verbrachten Monate, ist ausgesprochen
lesenswert.) Brialy weiß Arbeit und Vergnügen auf das trefflichste
miteinander zu verbinden: ein Appartement in einer der winkligen Gassen;
Frühstück im Cafe des Ormeaux; Diner im Plage Vert oder im Moorea.
Wer die „nackten Tatsachen" der hiesigen Strande
kennt, wird sich kaum wundern, daß sich „Emanuelle" alias Sylvia
Kristel mit ihrem Mann in der Nähe des Pampelonne-Strandes niederließ.
Wir folgen der D 61, dann der links abbiegenden D 3,
die an Weingärten oberhalb der Bucht von Pampelonne entlangführt. Zur
Rechten liegt auf einem Vulkankegel die Chapelle St. Anne im Schatten
großer Bäume. Die kleine Straße, in die wir nach rechts zur Kapelle
abgebogen sind, führt nach St. Tropez zurück.
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Frejus
In der fruchtbaren Argens- Ebene zwischen dem
Esterei- und Maurengebirge. Familiäres
Touristenzentrum mit Römerruinen und ausreichendem Eigenleben, daher
das ganze Jahr etwas los. Wird besonders bei Campingurlaubern immer
populärer.
Der Ortskem von Frejus mit provencalischem Flair, -
ansonsten eher provinzstädtisch. Im Zentrum viele Boutiquen,
Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitvergnügen. Der Nachbarort
Saint-Raphael, angeschmiegt ans Este-relgebirge, besitzt feinsandige und
gepflegte Strande. Viel Flair, bis Bou-louris bildet er das bourgoisere
Villenviertel der Stadt.
Nach Willen der Stadtväter soll der Tourismus
gefördert werden durch rege Bautätigkeit: Jachthafen, Hotels und
Appartementhäuser. Studiert man die Immobilienangebote in den
Schaufenstern der Makler, so befindet sich die Stadt im Umbruch. Mal
sehen, was aus Frejus/St. Raphael noch wird.
Kein Geringerer als Julius Cäsar stiftete dem alten ligurischen Ort
einen Markt (etwa 49 v.Chr.) und somit den Namen "Forum Julii".
lo Jahre später ließ es der künftige Kaiser Augustus zu einem der
wichtigsten Flottenstützpunkte Roms ausbauen, um seine spurtstarken und
wendigen kleinen Galeeren zu beherbergen, welche die plumpen
Kriegsschiffe des Antonius und seiner Cleopatra in der Schlacht von
Acüum (31 v.Chr.) besiegten. Bei diesem Seegefecht erbeutete er 3oo
Galeeren, die in dem großen Hafen stationiert wurden. Für römische
Legionärsveteranen wurde Frejus eine Kolonie. Nach ihrer Entlassung
erhielten sie hier römisches Bürgerrecht, Land und Geld, weswegen sie
sich gerne in
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Das Blaue Wunder
In der Grotte von Vallonet (in der Nähe von Roquebrune)
haben Archäologen Werkzeug gefunden, mit dem vor ca. 900000 Jahren
gearbeitet wurde - es ist somit das älteste Frankreichs. Wie die Menschen
hier vor etwa 400 000 Jahren lebten, bezeugen die Funde, die im Museum
Terra Amata in Nizza zu besichtigen sind.
Die Frühgeschichte der Cöte d'Azur beginnt um das
Jahr 1000 v.Chr., als die Ligurer an einem breiten Streifen der
Mittelmeerküste siedelten. 600 v.Chr. gründeten die griechischen
Phokäer dann Marseiile. Sie brachten nicht nur Oliven-, Feigen-, Nuß-
und Kirschbäume sowie Rebstöcke mit, sondern sie führten auch das
Geldwesen ein. Im fünften und vierten Jahrhundert vor Christus
errichteten die griechischen Siedler von Marseiile Handelskontore in
Hyeres, St.Tropez, Antibes, Nizza und Monaco. Auch die Kelten siedelten im
südfranzösischen Raum und vermischten sich mit den Ligurern. 122 v.Chr.
wurden sie von den Römern geschlagen; 102 v.Chr. folgte die Niederlage
der Teutonen bei Aix (Aquae Sextiae) durch den römischen Feldherrn
Marius. 49 v. Chr. gründete Cäsar Frejus (Forum Julii). Sechs Jahre v.
Chr. unterwarfen sich die Alpenvölker dann endgültig den Römern. Das
vierzig Meter hohe Siegesdenkmal zu Füßen des Mont Agel - dort, wo noch
während der Kämpfe die Via Julia Augusta gebaut worden war - erinnert an
diese historische Zäsur (Tropea Augusti bzw. La Turbie).
Die Via Aurelia, die übrigens über weite Strecken
dort verlief, wo jetzt die Autobahn entlangführt, war eine der
bedeutendsten Straßen des Römischen Reichs. Sie verband Rom über Genua,
Cimiez (Nizza), Antibes, Frejus und Aix mit Aries. Alle 1478 Meter - das
entspricht einer römischen Meile - zeigten Meilensteine die Entfernung zu
Rom an (ein solcher Stein ist im Museum in St. Raphael zu sehen). Cimiez
war Verwaltungshauptstadt der alpes maritimae. Die dortigen Ausgrabungen
vermitteln noch eine Vorstellung davon, welch hochentwickelte Kultur die
Römer mitbrachten.
Die unangefochtene römische Vorherrschaft brachte der
Region eine vier Jahrhunderte währende Friedensperiode, die pax romana,
die so lange andauerte, bis Südfrankreich im fünften und sechsten
Jahrhundert nacheinander von den Wandalen, Westgoten, Burgundern, Ostgoten
und Franken überrannt wurde. Im Jahre 855 wurde die Provence von dem
Frankenkönig Lothar I. zum Königreich erklärt. 884 ließen sich die von
Spanien eingefallenen maurischen Pira- Römische Ruinen bei Cimiten
(Sarazenen) in den Bergen um Grimaud (dem Mauren-Massiv) nieder. Sie
wurden 973 zwar vertrieben, überfielen das Küstenland jedoch noch bis
ins 18. Jahrhundert immer wieder.
Im 10. Jahrhundert setzt die Zeit der mittelalterlichen
Feudalherrschaft ein, obwohl die größte Macht in den Händen der Kirche
lag, gelang es den Städten doch, weitgehend ihre Unabhängigkeit zu
behaupten. Im 12. Jahrhundert fiel die Grafschaft Provence an den Grafen
von Toulouse, danach an den Grafen von Barcelona. 1246 ging die Provence
schließlich an das Haus Anjou. 1308 kaufte die Familie Grimaldi den
Genuesern Monaco ab.
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Cannes
Gilt als eleganteste Stadt der Cote d'Azur. Cannes
gestattet sich deshalb ein extravagantes Prestige-Image und ist bisweilen
sündhaft teuer. Leute, die im Urlaub sparen wollen, sind hier schlecht
aufgehoben, da die preisgünstigeren Hotels und Restaurants in der Regel
aus allen Nähten platzen. Besser in einem der umliegenden Orte Zimmer
nehmen und Cannes in Tagesetappen erkunden.

Auf den ersten Blick ist Cannes eine Agglomeration
luxuriösester Paläste für die Superreiche und deren Superschöne, -
Kulisse für Festivals und Kongresse mit chicsten Modeboutiquen, erlesenen
Restaurants und "netten" älteren Damen mit silberfarbenem Haar,
die schmuckbeladen in den Nobelcafes verweilen und dabei viel öfters ihr
Schoßhündchen anlachen als den kahlköpfigen Gemahl gegenüber.
Ereignisse wie die Filmfestspiele im Mai lassen die
Stadt von einem Tag zum anderen aus verschlafener Gemütlichkeit zur
Metropole werden. Jetzt präsentieren sich die scheuen Stars und
offenherzigen Starlets in der Bar du Carlton (ein Gläschen Dom Perignon
um 4o DM), - vor lauernden Fans, Fotographen oder nachts im Studio Circus
mit arabischen Prinzen und den internationalen Playboys. Untertags findet
man sie wieder zum Phototermin an den Stranden zwischen Festival-Palast
und Palm Beach. Cannes ist somit ein Schuß Monte-Carlo und mehr erlebens-
denn sehenswert. Weltberühmte Monumente oder Museen gibt es nicht, jedoch
sind die Altstadt und der Markt eine Attraktion für Leute, die Glamour
nicht wiederstehen können.
Und wo sind die, die die ganze Arbeit machen? Da wo es weniger schön
ist, dafür echter: also westlich der Stadt in Cannes-La Bocca oder
nördlich in Le Cannet-Rocheville. Früh schon trifft man sie
unausgeschlafen in der Bar des Halles am Fortville Markt (neben denen,
für die die Nacht noch nicht zu Ende ist). Cannes mag man erst auf den
zweiten Blick.
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St. Tropez
Sündenbabel oder Fischerdorf?
Aussicht von der Zitadelle; Boulespiel im Cafe des
Arts; sehen und gesehen werden im Senequier, im Gorille oder im Cafe de
Paris; typische Landesgerichte im Lou Revelen, Chez Fuchs oder Palmyre (24
Sunden - wenn man die Nacht zum Tage macht).
Glaubt man der Legende, so verdankt die Hafenstadt, die
am Südufer einer der schönsten Buchten der Cöte d'Azur liegt, ihren
Namen dem römischen Soldaten Torpes, der sich unter Nero zum Christentum
bekehren ließ, was ihn seinen Kopf kostete. Sein Leichnam, den man - ohne
den Kopf - in einem Boot mit einem Hahn und einem Hund den Wellen
preisgab, damit er aufgefressen werde, landete statt dessen unversehrt am
Strand des heutigen St. Tropez
.
Zum Gedenken dieses Märtyrers findet alljährlich am
16. Mai eine Bravade, eine spektakuläre und sehr laute Prozession statt,
bei der die vergoldete Holzbüste des Heiligen durch die Stadt getragen
wird. Eine zweite Bravade am 15. Juni erinnert daran, daß im Jahre 1637
die Bürger von St. Tropez 22 spanische Galeeren, die versuchten, den Ort
zu überfallen und vier im Hafen ankernde königliche Schiffe zu kapern,
in die Flucht schlugen.
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| L'Escalet
Das idyllische L’
Escalet ist der Geheimtip für alle, denen St. Tropez zu überlaufen ist.
Drei geschichtliche Ereignisse haben das Dorf geprägt: die Besetzung
durch die Sarazenen 892, die Zerstörung 1592 aufgrund von
Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und dem Protestanten Henri IV.
sowie der Zweite Weltkrieg. Der Hollywood-Erfahrene J. P. Aumont wurde
wegen seiner Englischkenntnisse von den am Pampelonne-Strand landenden
Amerikanern ersucht, den Kontakt zur Resistance ramatuelhis herzustellen,
und so sahen 1944 die Bewohner von Cavalaire, La Croix-Valmer und Cogolin
ihr Filmidol leibhaftig in einem GI-Jeep.
.
Der Schauspieler Jean-Claude Brialy dagegen macht heute
als künstlerischer Leiter des seit 1984 alljährlich stattfindenden
Festival Gerard Philipe Furore. (Das Grab Philipes befindet sich auf dem
Friedhof von Ramatuelle; Nur einen Seufzer lang, das Buch seiner Frau
über die letzten gemeinsam verbrachten Monate, ist ausgesprochen
lesenswert.) Brialy weiß Arbeit und Vergnügen auf das trefflichste
miteinander zu verbinden: ein Appartement in einer der winkligen Gassen;
Frühstück im Cafe des Ormeaux; Diner im Plage Vert oder im Moorea.

Wer die „nackten Tatsachen" der hiesigen Strande
kennt, wird sich kaum wundern, daß sich „Emanuelle" alias Sylvia
Kristel mit ihrem Mann in der Nähe des Pampelonne-Strandes niederließ.
Wir folgen der D 61, dann der links abbiegenden D 3,
die an Weingärten oberhalb der Bucht von Pampelonne entlangführt. Zur
Rechten liegt auf einem Vulkankegel die Chapelle St. Anne im Schatten
großer Bäume. Die kleine Straße, in die wir nach rechts zur Kapelle
abgebogen sind, führt nach St. Tropez zurück.
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